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Hallo!
Mein Eindruck ist, dass Gutachten und Gespräche mit einem Psychologen mitunter sehr viel mit der richtigen Sprache zu tun haben. Auch benutzt jede Wissenschaft ihre eigenen Begriffe.
Stimmt es so?
Erziehungseignung <-> Erziehungsfähigkeit?
Erziehungseignung bedingt eine Ausschließlichkeit: entweder man ist geeignet oder nicht. Eine fehlende Eignung würde man nur in schweren Fällen annehmen (z.B. Alkoholismus). Eine Erziehungsfähigkeit besitzt jedoch jeder Elternteil - der eine mehr, der andere weniger. Die Begriffe werden aber oft synonym benutzt.
Erziehungsfähigkeit <-> Erziehungskompetenz?
Gibt es keine absolute Erziehungsfähigkeit, dann muss man beschreiben, was man darunter versteht. Erziehungsfähigkeit beinhaltet Stärken und Schwächen, sie wird unterteilt in verschiedene Kompetenzen, die einen zur Erziehung eines Kindes befähigen, z.B. die "Betreuungskompetenz".
Erziehungskompetenz <-> Versorgungskompetenz?
Die Erziehungsfähigkeit umfasst Erziehung und Versorgung. Die Versorgungskompetenz bezieht sich darauf, dass ein Elternteil etwa seinem Kind saubere Sachen anzieht und gesundes Essen kocht, die Erziehungskompetenz bezieht sich z.B. auf Autorität, Regeln, pädagogische Mittel, usw.
Förderkompetenz
Gemeint ist damit die Befähigung der Eltern, sich über die Bedürfnisse ihres Kindes zu informieren, ihr Handeln an diesen Bedürfnissen auszurichten und die Entwicklung des Kindes zu begleiten. Ganz ähnlich auch der Begriff der "Elterlichkeit" (Ernst Ell).
Bindungstoleranz
Unter Bindungstoleranz versteht man die Fähigkeit und Bereitschaft von getrennt lebenden Elternteilen, mit der Situation der Trennung angemessen umgehen zu können, d.h. den anderen zu respektieren und mit ihm zusammenzuarbeiten, bzw. das Kind nicht dazu zu benutzen, dem anderen Schaden zufügen zu wollen.
Soziales Umfeld der Eltern in Bezug auf Unterstützung und Versorgung
Dieses Kriterium geht der Frage nach, wie viel Unterstützung erfährt ein alleinerziehender Elternteil durch die eigene Familie (etwa Oma/Opa), leben diese überhaupt in der Nähe? Wie sieht es mit neuen Bekanntschaften und Partnerschaften aus? Wie groß ist die Fähigkeit der Eltern, Beruf und Kindesversorgung zu vereinbaren, usw.
Keine Kriterien sind:
Kontinuitätsprinzip
Das Kontinuitätsprinzip spielt eine Rolle bei der Frage, ob der Wechsel des Kindes aus dem Haushalt eines Elternteils in den anderen sinnvoll ist. Es sagt natürlich nichts darüber aus, ob der betreuende Elternteil automatisch auch der geeignetere ist. Die Sicherung der Kontinuität geht davon aus, dass Veränderungen und Umbrüche ein Kind belasten.
Eltern-Kind-Bindung
Eine Kindergärtnerin kann eine hervorragende Erzieherin sein und kennt das Kind anfangs noch gar nicht. Eine Bindung muss sich mit der Zeit entwickeln, sie ist dynamisch. Auch wenn die Bindung eines Kindes zu einem Elternteil noch nicht so stark ist, kann es noch eine gute Beziehung aufbauen.
Kindeswille
Der Kindeswille sagt erstmal nichts über die Fähigkeit eines Elternteils zur Erziehung und Versorgung eines Kindes aus. Er ist nach Thiel kein wesentlicher Faktor des "Kindeswohls".
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