27. März 2007
VÄTER AM PRANGER
Wer nicht zahlt, kommt auf die Pizzaschachtel
Sie sind ihrer Pflicht nicht nachgekommen, haben den Unterhalt für ihre Kinder nicht überwiesen: Zahlungsunwilligen Vätern im US-Bundesstaat Ohio rücken die Behörden jetzt mit einer besonderen Idee auf den Pelz. Sie drucken das Konterfei der gesuchten Männer auf Poster - und auf Pizzaschachteln.Hamburg - Für Pizzaliebhaber in Butler County gibt es neben Thunfisch, Peperoni und Salami mit der Bestellung noch ein besonderes Extra. Neben dem Namen des Pizzadienstes findet sich auf der Schachtel eine besondere Information: die Gesichter der zehn größten Unterhaltssünder der Gemeinde - mit vollem Namen, der letzten bekannten Adresse, Alter und Geburtsdatum, einer Beschreibung des Äußeren und - in besonders großen Lettern - der Summe, die sie ihrem Kind oder ihren Kindern schulden. Über den Gesichtern prangt die Drohung: "So muss es Ihnen nicht ergehen."
Zwischen 6400 und 19.000 Dollar schulden die abgebildeten Väter ihren Kindern. Die Idee kam der Leiterin der Behörde, die für das Eintreiben des Unterhalts zuständig ist, als sie eine Pizza bestellte. "Mir dämmerte es, dass die meisten Menschen, die sich vor dem Gesetz drücken, nicht unbedingt ausgehen, um zu essen - sie bestellen sich die Pizza nach Hause", sagt Cynthia Brown.
Die Behörden in den USA bedienen sich verschiedener Methoden, um das ausstehende Geld der Eltern, in den meisten Fällen das Geld der Väter, einzutreiben. In Virginia haben sich die Behörden mit der Bitte an Handybetreiber gewandt, ihnen Telefonnummern und Adressen der Gesuchten auszuhändigen. In Kalifornien werden die Fahrzeuge von Unterhaltssündern beschlagnahmt und - falls die Eltern nicht zahlen - versteigert. Die Einkünfte gehen dann an das zu unterstützende Kind. Die originelle Pizzaschachtelidee von Cynthia Brown hat ihrer Behörde laut der Homepage sogar eine Auszeichnung eingebracht - für die beste Umsetzung der Arbeit.
Suche mit der Nebenkostenabrechnung
Allein im Jahr 2005 haben die zuständigen Behörden in den USA insgesamt mehr als 23 Milliarden Dollar Unterhalt für mehr als 17 Millionen Kinder eingetrieben. Seit ihrer Gründung vor mehr als 30 Jahren hat sich eine Summe von 106 Milliarden Dollar ausstehenden Unterhalts angesammelt. Angesichts dieser Summe lobt auch die Leiterin der nationalen Unterhaltsbehörde, Kay Cullen, die Initiative in Butler County: "Bei allen Fortschritten, die wir machen, ist die Idee, das Poster mit den gesuchten Männern auf die Pizzaschachteln zu drucken ein Beispiel für die Innovationen und das Engagement, das wir brauchen."
Andere Gemeinden in Ohio veröffentlichten die Poster mit den gesuchten Männern auf ihren Internetseiten und arbeiten mit Firmen zusammen, die sich darauf spezialisiert haben, Menschen mit Hilfe von Mietdaten zu suchen. In einigen Gemeinden werden entsprechende Flyer auch mit der Wasser- und Nebenkostenabrechung zugestellt.
Butler County tauscht die zehn größten Unterhaltssünder auf den Plakaten zweimal jährlich aus. Außer auf den Pizzaschachteln finden sich die Poster auch in anderen öffentlichen Gebäuden, in Postämtern und Polizeistationen in allen 86 Gemeinden des Bundesstaates.
"Es ist eine gute Idee"
Nach ihrer Blitzidee hat Brown verschiedene Restaurants und Fast-Food-Ketten angesprochen. Mit überschaubarem Erfolg: Bislang beteiligen sich erst drei Pizzerien. Die Bilder auf den Schachteln haben seit ihrem ersten Erscheinen im August zu einer Festnahme geführt, sagt der Sheriff von Butler County, Todd Langmeyer. "Es ist immer eine gute Idee, wenn es darum geht, die Gesichter publik zu machen."
Bisher haben sich auch die Gäste der teilnehmenden Ketten nicht beschwert. "Einige Kunden machen Witze und sagen, sie seien froh, dass nicht ihr Gesicht auf der Schachtel zu finden sei", sagt Karen Willis, Inhaberin von Karen's Pizzeria. "Die meisten scheinen die Idee gut zu finden."
Wer keinen Unterhalt zahlt, ist nicht automatisch kriminell
Weniger begeistert zeigen sich Anwälte und Gruppen, die sich für die Rechte von Vätern einsetzen. Die Idee sei "schrecklich", es gehe lediglich darum, Menschen "bloßzustellen", erklärt Anwalt Maury Beaulier. Viele verschiedene Ursachen könnten dazu führen, dass jemand seinen Unterhaltsverpflichtungen nicht nachkommt. Deshalb sei der Einzelne noch kein Krimineller.
Der Vorsitzende der Amerikanischen Gesellschaft für die Rechte von Kindern und Vätern weist darauf hin, dass die öffentliche Zurschaustellung der Männer auch die Töchter und Söhne diskriminiere. "Stellen Sie sich vor, wie es einem Kind geht, das ein Elternteil auf einem solchen 'gesucht wird'-Poster sieht und dann merkt, dass auch seine Freunde das Bild sehen", sagt Michael McCormick.
Die Leiterin der Behörde in Butler County betont, es sei der Zweck ihrer Einrichtung, den Eltern zu helfen und nach den Gründen zu suchen, aus denen jemand seinen Unterhaltsverpflichtungen nicht nachkommt. Eine solche Anklage sei erst eine letzte Möglichkeit, wenn alle zivilrechtlichen Schritte ausgeschöpft seien. Eine entsprechende Verurteilung kann in den USA mit bis zu 18 Monaten Haft geahndet werden und Strafen in Höhe des ausstehenden Unterhalts mit sich bringen. "Es geht uns nicht darum, diese Menschen zu bestrafen", sagt Brown. "Wir versuchen nur, den Kindern zu helfen, die ein Recht darauf haben, Unterhalt zu bekommen."
han/AP
Super Idee.